Adbusting, Subvertising und Brandalism – Manipulation der Manipulation

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Commercialism

Marken und ihre Kommunikation mit der Außenwelt, sprich: Werbung, haben den öffentlichen Raum nicht nur erobert, sie haben ihn komplett für sich in Beschlag genommen. Egal, ob man durch die Straßen einer Stadt spaziert, digitale Pfade einschlägt oder sich durchs Abendprogramm zappt: Überall hängen Plakate, blinken Banner und flimmern Spots. Jede Wand, jeder Header und jede Sendepause wird als Werbefläche missbraucht genutzt.

Doch manchmal lohnt es sich, genauer hinzuschauen, denn nicht jeder lässt sich von den Marketingabteilungen dieser Welt so mir nichts dir nichts mit visuellem Overdose das Hirn weichspülen. Vielmehr schlagen weltweit Kreative mit den eigenen Waffen zurück und bekämpfen so Feuer mit Feuer. Ich habe mal ein paar Beispiele herausgepickt, die sich mit der Manipulation der Manipulation beschäftigen: Adbusting, Brandalism oder auch Subvertising genannt.

Ehrliche Logos von Viktor Hertz

Werbung hat in erster Linie die Absicht, den Menschen mehr oder weniger nützlichen Kram anzudrehen – dass dabei auch neue, konsumfördernde Bedürfnisse geschaffen werden, versteht sich heutzutage fast schon von selbst. Der Grafikdesigner Viktor Hertz reibt sich allerdings daran, dass dies nicht möglich zu sein scheint, ohne um den heißen Brei herumzureden und zu flunkern. In dieser Konsequenz entwarf er seine Honest Logos, die die ungeschminkte Wahrheit der Produkte und Marken in ihrer visuellen Identität widerspiegeln.

Nothing to do

You Tube / Cat Videos

Absolut Vomit

We Are Visual – Apple vs. Microsoft und surreale Supermärkte

Die Kunst des Hamburger Kollektiv We Are Visual richtet sich in erster Linie auf Interventionen im öffentlichen Raum. Auf ihrer Homepage erklären die drei Künstler: „We hope, through creative problem solving and decision making, to provoke unexpected responses from those who make use of these spaces. While not as blunt as a direct statement of intent, we hope our effects on one’s immediate surroundings at least conveys the intention of stimulating thought and a questioning of why certain situations and structures are accepted.“

So setzen sich die Hamburger auch mit den Themen „Marken“ und „Werbung“ auseinander, die für sich immer mehr Platz im öffentlichen Raum beanspruchen – und dies tun sie auf humorvolle und intelligente Weise. Als sich der Hamburger Apple Store noch im Aufbau befand, brachten We Are Visual an der Fassade ein großes, authentisches Microsoft Logo an und karrikierten so die Austauschbarkeit verschiedener Marken. Ein anderes Mal ergänzten sie den Schriftzug eines Supermarktlogos dergestalt, dass er das Wort „surreal“ bildete. Diese und weitere Aktionen dokumentiert das Kollektiv auch auf seinem Vimeo-Channel:

.wav from .wav on Vimeo.

surREAL from .wav on Vimeo.

Arschlecker – Ein viraler Klassiker

Eine Mischung aus kollektivem Humor, Markenkritik und AdBusting belegt das nächste Beispiel, dessen Opfer in der Vergangenheit immer wieder eine bekannte Drogeriemarktkette mit debilem Claim geworden ist. Ähnlich wie bei We Are Visuals surrealem Supermarkt wird hier mit dem Logo der Marke gespielt: Dieses ergibt nämlich durch die vorangestellten Buchstaben „A“ und „R“ den Schriftzug „Arschlecker“.

Wie es dazu kam – keine Ahnung. Sucht man allerdings auf Flickr nach dem Stichwort „Arschlecker“, so erhält man mehrere unterschiedliche Resultate. Vielleicht kann ein Zitat Goethes dieses Phänomen erklären: „Der Witz setzt immer ein Publikum voraus. Darum kann man den Witz auch nicht bei sich behalten. Für sich allein ist man nicht witzig.“ So wahr!

arschlecker

Fast Food Ketten bekommen ihr Fett weg

„Du bist, was Du isst“, spricht der Volksmund und nicht selten auch die Botschaft mancher Adbuster. So geraten immer wieder Werbeplakate populäre Fastfoodkette in den Fokus subtiler Manipulationen. Ziel dieser Aktionen ist immer wieder eine Art humorvolle Aufklärungsarbeit: Fastfood macht dick, träge, ist ungesund und im Endeffekt vermutlich nicht weniger schädlich als Rauchen. Beispiele derartiger Aktionen finden sich zu Hauf in den Flickr-Pools der Gruppen AdBusting oder Subvertising.

I'M NOT LOVIN' IT supersized

Murder King

"BURGER KING"

Lieber tot, als Konsumkind

Last but not least ein kleiner Schnappschuss von einem gekaperten Plakat, das mir dieses Frühjahr am Lokalbahnhof in Frankfurt aufgefallen ist. Ich musste ziemlich lachen, als mir nach kurzem Stirnrunzeln endlich auffiel, dass sich am Werbespruch des Mobilfunkanbieters etwas geändert hatte…

BASE Adbusting (Frankfurt Lokalbahnhof)

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