C/O Berlin – ein neues Zuhause ist gefunden

Share Button

 

Das C/O Berlin wurde im Jahr 2000 gegründet und ist weder Museum noch Galerie. „Ausstellungshaus“ ist die vielleicht passendste Bezeichnung für dieses einzigartige Kulturunternehmen. Das C/O Berlin war lange Zeit in seiner Existenz bedroht, da der Eigentümer des Gebäudes, in dem die Ausstellungsräume beheimatet sind,  dieses anders nutzen möchte. Nach langer Ungewissheit ist das C/O Berlin gerettet, denn ein neuer Standort wurde gefunden

 berlin 09/2008

Den Berliner Kunst- und Kulturinteressierten ist das C/O Berlin, das International Forum For Visual Dialogues, wahrscheinlich längst bekannt. Wenn nicht, sollte ein Besuch schnellstmöglich nachgeholt werden. Empfehlenswert ist es aber für jeden Berlin-Besucher, der sich für Fotografie interessiert.

Gegründet wurde das C/O Berlin von drei Privatpersonen: Stephan Erfurt (Fotograf), Marc Naroska (Designer) und Ingo Pott (Architekt). Der thematische Schwerpunkt des Hauses liegt auf Fotografie-Ausstellungen internationalen Ranges, wobei der fotografierende Nachwuchs nicht im Entferntesten vergessen wird. Doch dazu später mehr. Nach seiner Gründung im Jahr 2000 im kaiserlichen Postfuhramt residierte das Ausstellungshaus die ersten fünf Jahre seines Bestehens in einem denkmalgeschützten Gießereigebäude. Seit Juni 2006 ist seine Heimat das Postfuhramt in der Oranienburger Straße 35/36 in Berlin Mitte, nur wenige Minuten vom Tacheles entfernt. Somit kehrte das C/O Berlin an den Ort seiner Gründung zurück.

Das alte Postfuhramt ist ein beeindruckendes Gebäude, das alleine schon jeden Besuch lohnenswert macht. Selbstverständlich sind aber auch die Ausstellungen beeindruckend und von internationalem Format. Ich erinnere mich gerne an den Besuch der Ausstellung „Peter Lindbergh. On Street. Photographs and Films. 1980 – 2010” im Herbst/Winter 2010. Auch die Ausstellungen im Sommer 2011, in denen von Sibylle Bergemann “Polaroids” und von Gregory Crewdson “In a Lonely Place” gezeigt wurden, waren lohnenswert und fanden im Postfuhramt einen perfekten Rahmen.

im August 2011 am Eingang des C/O Berlin 

Neben den Ausstellungen hat sich das C/O Berlin sehr dem Nachwuchs geöffnet. Unter dem Namen „Talents“ erhalten junge Nachwuchsfotografen und Kunstkritiker einen Raum, ihre Arbeiten auszustellen und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Daneben kooperiert das Haus mit der Berlinale in dem Projekt „Close Up!“, in dem junge Fotografen als Fotoreporter bei den Filmfestspielen eingesetzt werden. Das Projekt „Junior“ ist eine Schule für visuelle Bildung für Kinder und Jugendliche und führt diese in Workshops an die Fotografie, Design und Architektur heran.

Möglich ist das durch das private Engagement der drei Gründer, durch die Einnahmen von Eintrittsgeldern und Vermietungen und durch einige projektbezogene Kooperationen. Öffentliche Förderung gibt es für das C/O Berlin nicht. Ohne Leidenschaft ist diese Arbeit nicht möglich; und auch deshalb steht dieser Begriff zu Recht im Claim des C/O Berlin: „C/O Berlin wird getragen von Neugier, Leidenschaft und Professionalität“.

Diese Leidenschaft – am besten gepaart mit starker Ausdauer – war insbesondere in den letzten Jahren notwendig, da der Eigentümer des Gebäudes dem C/O Berlin kündigte, um ein neues, weiteres Hotel in Berlin Mitte entstehen zu lassen. Nach langer Suche konnte in der vergangenen Woche ein Erfolg vermeldet werden. Das C/O Berlin wird in das bezirkseigene Atelierhaus im Monbijoupark in Berlin Mitte einziehen und dort seine Zukunft haben. Laut C/O-Chef Stephan Erfurt wird der Umzug bis zum Spätsommer 2012 vollzogen sein und dem Haus weitere, neue Möglichkeiten eröffnen.

Das C/O Berlin ist somit gerettet, was für alle Interessierten an Fotografie, den fotografischen Nachwuchs und die Kulturlandschaft Berlins eine gute Nachricht ist. Wir wünschen dem Haus eine gute Zukunft in der neuen Location, empfehlen aber denen, die das Postfuhramt noch nicht kennen, dringend einen Besuch am bisherigen Standort. Zum Beispiel zu der kürzlich eröffneten Ausstellung „unheimlich vertraut. Bilder vom Terror“, die bis zum 4. Dezember 2011 läuft.

Share Button