Kunstkörperlich-Körperkünstlich in der Dominikanerkirche Osnabrück

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Die Ausstellung "Kunstkörperlich Körperkünste" in der Kunsthalle Dominikanerkirche in Osnabrück

Immer wieder zieht es mich in meine ehemalige Studentenstadt Osnabrück, in der ich sieben Jahre lang lebte und arbeitete. Und jedes Mal, wenn sich die Zeit findet, versuche ich die Ausstellungen in der Kunsthalle Dominikanerkirche zu besuchen. Nicht nur das besondere Ambiente der Kirche sowie der günstige, um die drei Euro liegende Preis machen die Kunsthalle so attraktiv, sondern vor allen Dingen die Fähigkeit des dahinterstehenden Vereins, Themen der zeitgenössischen Kunst immer wieder spannend und einzigartig aufzubereiten. Gestern besuchte ich die leider nur noch bis heute laufende Ausstellung Kunstkörperlich-Körperkünstlich 3.

Die Ausstellung thematisiert die Wahrnehmung des Körpers in der zeitgenössischen Objekt- und Installationskunst und setzt mit dem Schwerpunkt auf den Menschen den Schlusspunkt hinter eine dreiteilige Serie, die ihren Anfang 2006 fand. Gezeigt wurden internationale Künstler aus Europa, Asien und den USA, die sich vor allen Dingen mit neuen Werkstoffen auseinandersetzen und an Materialexperimenten austoben. Darunter Mark Jenkins, Andy Warhol, Birgit Dieker, Damien Hirst und MARCK.

Besonders die multimediealen Skulpturen von MARCK verleihen der riesigen Ausstellungsfläche in der Dominikanerkirche ein spannendes und zum Teil beklemmendes Ambiente, wobei vor allen Dingen die „Frauenkiste“ hervorzuheben ist. Die lebensgroße Box, die zentral platziert ist, hat an beiden Enden hinter jeweils einer Milchglasscheibe eine Projektionsfläche, auf der eine nackte, in der Box gefangene Frau simuliert wird. Nicht nur, dass die Vorstellung einer auf diesen kleinen Raum eingesperrten Frau beklemmend erscheint – unterstützt wird dies auch durch Audioaufnahmen, die den kompletten Raum mit ihrem Klagen und Schluchzen füllen. Aber auch die anderen Videoinstallationen des Schweizer Künstlers, wie „Türkisches Bad“, fesseln den Betrachter.

Ebenfalls im Gedächtnis geblieben ist mir das Exponat „Who came first“ von Brad Downey. Die 2009 entstanden Skulptur zeigt ein Ei in einem Kühlfach und ist quasi das erste, was die Besucher der Ausstellung zu sehen bekommen, wenn sie die große Kunsthalle der Dominikanerkirche betreten. Allerdings handelt es sich bei dem Ei nicht um ein ordinäres Hühnerei, sondern um eine aus menschlichem Sperma geformte Nachbildung. Der Effekt zieht sich durch Mark und Bein, wenn man unschuldig durch die Glasscheibe blickt und erst hinterher der beschreibenden Text liest. Brad Downey gestaltete übrigens auch den Raum im Künstlerhaus Bethanien in Berlin, das einen freigelegten Banksy zeigt.

Brad Downey "Who came first", 2009

Ich war spät dran mit meinem Besuch der Ausstellung Kunstkörperlich-Körperkünstlich und noch später bin ich mit diesem Blogpost dran, den ich am Liebsten mit einer unbedingten Besuchsempfehlung geschlossen hätte. Allerdings schließt die Ausstellung heute um 18 Uhr zum letzten Mal, so dass ich allenfalls kurzentschlossenen Osnabrückern in unmittelbarer Nachbarschaft der Dominikanerkirche einen Besuch anraten könnte. Aber die nächste Ausstellung kommt bestimmt und wird hier hoffentlich bald Erwähnung finden.

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