Luc Grateau – Miniaturporträts aus der Pariser Metro

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Métro Paris

Miniaturmaler haben es mir scheinbar angetan. Nach Ben Wilson und seiner Chewing Gum Art berichten wir heute über den Franzosen Luc Grateau, der bei seinem täglichen Weg zur Arbeit Fahrgäste der Pariser Metro auf alten Fahrscheinen porträtiert.

Eineinhalb Stunden dauert Luc Grateaus tägliche Fahrt mit der Metro durch Paris. Die Zeit nutzt der Hobbymaler, indem er ihm unbekannte Fahrgäste auf alten Metro-Fahrscheinen verewigt. Ausgestattet mit einer winzigen Farbpalette und einem Pinsel steht Grateau vor mehreren Herausforderungen: das Wackeln und Schaukeln der fahrenden Metro, die geringe Größe der Zeichenunterlage und vor allem die Unkenntnis über die ihm bleibende Zeit für das Porträt, da das ausgewählte Motiv bereits eine Station später aussteigen könnte. Im Glücksfall bleiben ihm aber auch mal 30 Minuten für sein Werk, nur weiß er das vorher nie.

In den vergangenen Jahren ist so eine bemerkenswert große Sammlung an Miniaturporträts entstanden, die noch größer wäre, wenn Luc Grateau auf Nachfrage der Porträtierten diesen „ihr“ Bild nicht überlassen würde. Eine Auswahl seiner Porträts ist auf Flickr zu sehen.

Auch außerhalb der Metro malt der Franzose, aber stets auf kleinen Zeichenunterlagen. So entstehen Bilder auf Blättern oder auf Quittungen von Cafés oder Bistros. Auf die kleinen Rechnungsbelege malt Grateau meistens das, was er verzehrt hat. Diese kleinen Kunstwerke sind die einzigen, die der Hobbymaler verkauft. Der Preis für das Bild ist immer der Betrag, der auf der kleinen Quittung steht. So sind beispielsweise Miniaturmalereien von Kaffeetassen für 3,20 Euro zu bekommen.

Aufwändigere Miniaturbilder malt Luc Grateau im Louvre, das er seit einigen Jahren zweimal pro Woche besucht. Die dort ausgestellten Meisterwerke entstehen so im Miniaturformat auf einem kleinen Block neu. Für diese Arbeiten benötigt der Maler bis zu 50 Stunden pro Bild. Dabei kann Grateau während des Malens endlich mal entspannen. Er hat die Zeit, die er braucht, kann immer wieder kommen, um das Motiv zu betrachten, und wackelig ist es im Louvre auch eher selten.

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