stage-photography.com – ein Non-Profit-Projekt von HfG-Studenten

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Foto: Pascal Davíd Breitenbach

In dem Projekt fotografieren junge Nachwuchsfotografen der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) Bands und Musiker und stellen diesen die Fotografien zu Promo- und Werbezwecken kostenfrei zur Verfügung. Ein Gespräch darüber mit Pascal Davíd Breitenbach, HfG-Student und Fotograf von stage-photography.com.

Urban Comfort (UC): Pascal, du studierst an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach und bist Teil des Non-Profit-Projekts stage-photography.com, das dort entstanden ist. Kannst du das Projekt bitte in wenigen Sätzen beschreiben?

Pascal Davíd Breitenbach (Pascal): stage-photography.com ist aus einem technischen Kurs an der HfG Offenbach entstanden, in dem ein neuer Kameratyp, der an der Hochschule eingeführt wurde, den Studierenden nähergebracht werden sollte. Die Überlegung war, unter enorm schwierigen Bedingungen fotografieren zu lernen. Das bietet natürlich die Bühnenfotografie, da man dort sehr restriktiv arbeiten muss. Der Kurs hat sich dann aber sehr schnell zu einem darstellerischen, künstlerischen Kurs entwickelt. Wir gehen los und fotografieren Bands mit deren Einwilligung. Die Musiker bekommen im Anschluss die Fotos und können diese für deren eigene Promotion verwenden. Wir Fotografen lernen so das Arbeiten bei sehr schwierigen Lichtverhältnissen. Das ist dann übertragbar auf alle anderen Situationen, in denen man fotografiert.

UC: Das Projekt ist also aus einer Lehrveranstaltung entstanden. Wann war das?

Pascal: Im Sommersemester 2010 fand das Seminar zum ersten Mal statt. Das Projekt gibt es also seit einem guten Jahr. Seitdem arbeiten wir daran, am Wochenende, im Sommer, im Winter, eigentlich immer. Es sind einige Studenten, die das dauerhaft verfolgen und daran mitwirken. Das Projekt hat sich ziemlich verselbstständigt.

UC: Sind alle Fotografen des Projekts Teilnehmer des Seminars gewesen oder sind da auch andere, externe Leute dazu gekommen?

Pascal: Alle waren Teilnehmer des Seminars, wobei das Seminar bereits ein zweites Mal stattgefunden hat. Darüber hinaus sind keine Fotografen dazu gestoßen. Aber das Seminar ist immer recht groß, so sind das phasenweise schon viele Leute. 

UC: Wie viele sind zurzeit in dem Projekt aktiv?

Pascal: Richtig aktiv sind im Moment circa 10 Studenten, insgesamt sind aber wesentlich mehr Studierende Teil von stage-photography.com. Aber durch das nächste Seminar kommen dann wieder neue Fotografen – auf jeden Fall für eine gewisse Zeit – hinzu.

Foto: Pascal Davíd Breitenbach 

UC: Wie wählt ihr die Bands oder Veranstaltungen aus, die ihr fotografiert? Oder kommen Bands und Veranstalter auf euch zu und fragen bei euch an?

Pascal: Das ist inzwischen ganz unterschiedlich. Meistens treffen aber wir die Auswahl und fragen dann bei der Band oder deren Roadmanager an. Es gibt aber auch Fälle, in denen Veranstalter und Künstler auf uns zukommen. Mit dem KFZ Marburg haben wir zum Beispiel eine Absprache gehabt, nach der wir alle Veranstaltungen, die dort für einen Zeitraum stattfanden, fotografiert haben. Da sind dann auch Lesungen dabei, die für uns fotografisch natürlich nicht so interessant sind. Mehrheitlich sind wir es aber, die die Bands aussuchen.

UC: Ihr arbeitet in diesem Projekt honorarfrei. Bekommt ihr denn in Fällen wie dem KFZ Marburg Reisekosten erstattet?

Pascal: Nein, Reisekosten bekommen wir nicht. In dem Fall ist das auch kein Problem, da wir alle das Semesterticket haben und auch Marburg erreichen können. Wer mit dem Auto fahren will, muss die Kosten selber tragen. Eine Ausnahme gab es nur es nur bei einer Ausstellung, bei dem die Reisekosten erstattet wurden.

UC: Was war das für eine Ausstellung, von der du gerade sprichst?

Pascal: Die Ausstellung war im rock`n´popmuseum in Gronau. Das ist nur ein Steinwurf von der holländischen Grenze entfernt. Eigentlich ist das das einzige moderne Musikmuseum in Deutschland und wird stark von den Scorpions, Udo Lindenberg und anderen deutschen Künstlern supportet. Wir wurden gebeten, dort eine Ausstellung zu machen. Die haben wir dann von Offenbach aus vorbereitet, kuratiert, die Bilder in unserem Studio gedruckt und sind dann zu dritt nach Gronau gereist und haben zusammen mit Dr. Thomas Mania, dem Kurator des Museums, gehangen. Das war jetzt im Sommer 2011 und lief etwa drei Monate.

Foto: Pascal Davíd Breitenbach

UC: Zurück zu den Konzerten, die ihr fotografiert. Kannst du ein paar Beispiele nennen, welche Bands von euch schon auf Bildern festgehalten wurden?

Pascal: Wir haben einen starken Fokus auf die Indieszene und die neue Bluesszene, die gerade am entstehen ist. An bekannteren Leuten waren unter anderem Liam Gallagher mit seiner neuen Band Beady Eye oder New Model Army dabei. Aber auch Musiker wie der Liedermacher Götz Widmann oder Klaus der Geiger, der aus der Anti-AKW-Bewegung kommt, waren dabei. Ich denke es lohnt sich einfach auf der Homepage vorbeizuschauen und selbst zu gucken, wir haben mittlerweile ein ziemlich breites Spektrum. Zum Beispiel sind da auch Jungs wie Kalkbrenner dabei, die für die europäische Elektroszene ziemlich wichtig sind.

UC: Was passiert im Anschluss genau mit den Fotos und wie ist die Regelung hinsichtlich der Bildrechte?

Pascal: Das Urheberrecht bleibt immer bei uns bzw. dem jeweiligen Fotografen. Wir räumen den Bands Nutzungsrechte im Rahmen des Webs, also der digitalen Nutzung ein. Wenn sie die Fotos aber im Printbereich verwenden möchten, also in Magazinen, auf Plakaten oder in CD-Booklets, müssen sie sich direkt an den Fotografen wenden, um mit dem eine Vereinbarung zu treffen, die dann auch nicht mehr unentgeltlich ist. Das ist bisher aber selten, kam aber schon zum Beispiel bei einer Psychedelicband vor. Die wollten ausschließlich Fotos eines unserer Fotografen für ihr Cover nutzen und einigten sich dann mit dem direkt.

Foto: Pascal Davíd Breitenbach

UC: Du hast während des Gesprächs gesagt, dass einige der Fotografen jetzt schon seit Beginn des Projekts dabei sind. Was treibt euch an, an dem Projekt über die Seminardauer hinaus mitzuwirken?

Pascal: Vielen geht es vor allem um den Spaß an der Arbeit in diesem Umfeld. Die Interaktion mit Musikern und Bands ist einfach großartig, häufig sind wir ja schon während der Soundchecks dabei. Oftmals herrscht bei den Veranstaltungen eine sehr familiäre Atmosphäre. Als weitere Übung ist das nicht so sehr zu betrachten, da sich dann doch situativ und bildlich viel wiederholt. Manchmal könnte man sogar zwei Fotos von zwei Bands bei völlig unterschiedlichen Konzerten nebeneinander halten und sie sind im Prinzip identisch. Für viele wird das auf Dauer langweilig. So steigen immer mal Leute aus diesem Grund aus dem Projekt aus. Andere sind weiterhin aus Spaß daran dabei.

UC: Zum Abschluss die Frage nach dem, was gegenwärtig oder in naher Zukunft ansteht?

Pascal: An Veranstaltungen steht zurzeit nicht viel an. Wir haben kürzlich erst mit 18 Fotografen das MELT! Festival fotografiert und sind noch an der Auswertung. In dem Zusammenhang haben wir einen Kooperationsvertrag mit Fuji, die uns 100 Fotobücher kostenfrei drucken. Es wird also bald ein Bildband mit unseren Fotos vom MELT! erscheinen. Auch ein Film über das MELT! Festival, der von uns für die Sponsoren der Aktion gemacht wird, ist gerade fertig geworden und befindet sich in der Abnahme. Von einigen Leuten wurde dann jetzt im Anschluss das Berlin Festival auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof fotografiert. Da ist auf jeden Fall an einigen Stellen noch einiges zu erledigen und von da aus schauen wir wie es weiter geht.

UC: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Zur Person:

Pascal Davíd Breitenbach, 1987 geboren, wohnt in Offenbach und studiert dort an der Hochschule für Gestaltung (HfG). Er arbeitet vor allem fotografisch, grafisch und lyrisch. Einen Teil seiner Werke präsentiert er im Netz auf http://www.tiefflug.net/ und auf http://tiefflug.info/.

Das sehenswerte Projekt findet ihr auf http://stage-photography.com/.

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