Warhol: Headlines – Die Ausstellung im MMK wird eröffnet

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Mit „Warhol: Headlines“ startet am 11. Februar im MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt eine Ausstellung über Andy Warhols Arbeiten, die seine Auseinandersetzung mit Massenmedien, Schlagzeilen, Celebrities und (anderen) Katastrophen zeigen. Die Ausstellung ist bis 13. Mai in Frankfurt zu sehen.

„Warhol: Headlines“ ist das Ergebnis einer internationalen Kooperation des MMK mit der National Gallery of Art in Washington, wo die Werkschau bereits zu sehen war, mit The Andy Warhol Museum of Pittsburgh und der Galleria nazionale d´arte moderna in Rom.

Entstanden ist durch eine mehrjährige Recherche der Kuratorin Molly Donovan nicht irgendeine beliebige Warhol-Ausstellung, die zum wiederholten Mal Marilyn, Mao, Elvis und die Suppendosen zeigt, sondern die Darstellung einer bestimmten Schaffensphase der Pop-Art-Ikone. Präsentiert wird Warhols Auseinandersetzung mit den Massenmedien seiner Zeit, was sowohl den thematischen Grundstein seines späteren Werkes als auch der Pop Art allgemein abbildet. Warhol selbst befand sich in der Zeit, in der er mit diesen Arbeiten begann, im Übergang vom bestbezahlten und erfolgreichsten Werbegrafiker New Yorks zum – später dann noch erfolgreicheren – Künstler.

Im Zentrum der Ausstellung steht das Werk „Daily News“ aus dem Jahr 1962, das sich im Besitz des MMK befindet. Es wird mit den drei anderen Gemälden in einem Raum präsentiert, die alle Anfang der 1960er Jahre noch „aus seiner Hand“ entstanden sind. Bei seinen späteren Arbeiten ist Warhol dann – wie auch von seinem übrigen Werk bekannt – zum Siebdruckverfahren übergegangen. Dem Sammlungsleiter des MMK und Kurator der Ausstellung in Frankfurt, Mario Kramer, ist es gelungen, diese vier besonderen Bilder erstmals zusammenzuführen.

Die Bilder der Ausstellung finden ihre ideale Ergänzung in den vielen Fundstücken aus den Time Capsules – eben jenen Archivboxen, in denen Andy Warhol zu Lebzeiten alles, was ihm in die Finger kam, was ihn faszinierte und interessierte, sammelte. 600 dieser Time Capsules existieren, etwa 400 davon sind bis heute geöffnet und katalogisiert worden und jede einzelne Box bringt ungefähr 200 Gegenstände zum Vorschein. Ein Teil davon findet sich in den Vitrinen, vor, neben oder gegenüber der Hauptwerke wieder. Es handelt sich um Zeichnungen Warhols oder um die Originaltitelseiten der Zeitungen, die er reproduziert oder verändert hat und so zu Kunstwerken machte. Der direkte Vergleich von Vorlage und Kunstwerk ist somit erstmals möglich und macht beim Betrachten deutlich, was die Pop-Art-Ikone Warhol und der ehemalige Werbegrafiker einfach kopierte, was er hinzufügte, was er wegließ und was er veränderte. Er tauschte Namen aus, ließ Bilder weg, erhielt aber Informationen, die – wie die Angabe der Auflagenhöhe der Daily News – auf den ersten Blick unwichtig erscheinen. Aber eben diese „1,9 Millionen daily“ sind es, die Warhol faszinieren und seinen kritischen Blick auf das Phänomen „Massenmedien“ schärfen.

Die Integration der Time Capsules in „Warhol: Headlines“ erinnert auch an die Ausstellung „Andy Warhol`s Time Capsules 21“, die im Jahr 2003 im MMK zu sehen war und die erste spezielle, thematisch eingegrenzte Werkschau über diesen großen Künstler des 20. Jahrhunderts an diesem Ort darstellte. Aber auch sonst gibt das MMK nicht nur die Ausstellung, die zuvor in Washington zu sehen war, 1:1 wieder, sondern erweitert diese mithilfe der Werke aus der eigenen Sammlung und aus anderen Sammlungen in Deutschland. Möglich ist das durch die Tatsache, dass deutsche und europäische Sammler bereits früh Bilder von Andy Warhol kauften, bevor die amerikanischen Kollegen überhaupt auf diese Idee kamen. So sind heute noch viele Warhols in deutschen Sammlungen und Museen beheimatet und Leihgaben aufgrund der kürzeren Transportwege leichter realisierbar. Zu den Besonderheiten der Frankfurter „Warhol: Headlines“-Ausstellung gehört  eins von Warhols Spätwerken aus dem Jahr 1983, in dem er 22 Cover der Zeitschrift „Bunte“ gemeinsam mit Burda auswählte und anschließend reproduzierte. Es ist das einzige Werk Warhols, das sich deutschen Medien widmete, und war nicht in Washington zu sehen.

„Warhol: Headlines“ ist eine kleine, aber sehr gelungene Ausstellung. Sie zeigt Warhol als scharfsinnigen und genauen Beobachter und belegt seine intensive Auseinandersetzung mit den Mechanismen der Printmedien, einem immer noch hoch aktuellem Thema. Die Ausstellung läuft in Frankfurt bis 13. Mai. Von einer Verlängerung kann nicht ausgegangen werden, da Rom und Pittsburgh darauf warten – und das völlig zu Recht.

 

Bilder (in der angezeigten Reihenfolge von oben nach unten):

Bild 1: Andy Warhol und Joe Dallesandro, Darmstadt 1971, Foto: Leo Weisse

Bild 2: Andy Warhol
129 Die in Jet, 1962
Museum Ludwig, Köln
© 2012 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Artists Rights Society (ARS), New
York, Rheinisches Bildarchiv Köln

Bild 3: Andy Warhol
”Magazine&History”, 1983, Hubert Burda Media Sammlung, Deutschland, Foto: Axel Schneider
© 2012 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts./ Artists Rights Society (ARS), New York

Bild 4: Andy Warhol in the Factory, New York, 1967, Foto: Santi Visalli

 

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